"Jeder Schwachkopf kann einen Verlag gründen – einige tun es sogar."
Damit wäre die Entstehungsgeschichte von noumenon im Groben auch schon erzählt. Was diesen speziellen Schwachkopf, mich, dazu bewog, einen Verlag zu gründen, war das Unverständnis, das mir die etablierten Verlage entgegenbrachten, als ich ihnen mein Werk vorstellte. Niemand wollte etwas davon wissen. Nun könnte man sagen, dass dies wahrscheinlich weniger eine Folge von allgemeinem Unverständnis als von mangelnder Qualität meiner Arbeit war, doch scheint mir das nicht fair, da das Wörtchen "Qualität" – wie sich zeigte – nicht in allen Köpfen die gleiche Bedeutung hat.
Meinen Roman Triebhaus – Auslöschung des Unteilbaren habe ich geschrieben, weil ich ihn im Buchhandel nicht finden konnte … auch nichts, das ihm ähnlich gewesen wäre. In meiner Naivität ging ich davon aus, dass hier eine Lücke zu füllen sei und dass Verlage verzweifelt darauf warteten, dass sich endlich jemand dieser Aufgabe annimmt.
Nun, was ich damals nicht wusste, war, dass sich große Mediengesellschaften vorrangig dadurch auszeichnen, dass sich ihr Geschmack, d. h. ihr Sinn für "Qualität", am Geschmack der Masse orientiert. Große Verlagshäuser sind betriebswirtschaftlich geführte Unternehmen und unterliegen als solche ökonomischen Zwängen, weshalb sie sich letztlich auf vermarktbare, sprich massentaugliche Produkte konzentrieren müssen. Das ist ein weitgehend wertfreies Urteil … weitgehend, denn wie sehr massentauglich mit qualitativ hochwertig einhergehen kann, sei dahingestellt. Vorwerfen kann man diesen Häusern eigentlich nur, dass sie sich ihrer Knechtschaft nicht immer bewusst zu sein scheinen, wenn sie das Wörtchen "Qualität" im Sinn haben. Manche scheinen den Umstand, dass sie einem Markt unterliegen, derart verdrängt zu haben, dass sie nichts als literarisch wertvoll zu erkennen vermögen, sofern es sich nicht tausendfach verkaufen lässt. Dies hat zur Folge, dass irgendwann jeder Verlag mehr oder weniger die gleichen Texte veröffentlicht: nichts Neues unter der Sonne.
Triebhaus – Auslöschung des Unteilbaren ist anders. Es verlangt der genderneutralen Leserschaft einiges ab.Der Text ist in 94 Kapitel gegliedert, die sich in drei Klassen einteilen lassen und nach einem strengen Muster alternieren (A, B, C, A, B, C, … A):
[A] – Ereignisse des letzten Jahres (Begegnung, Beziehung, Zerfall),
[B] – Innere Monologe (ungefilterte geistige Prozesse),
[C] – Biografische Rekonstruktion (Kindheit, Jugend, Umfeld) Ich habe mich daher im November 2025 – über zehn Jahre nach der Fertigstellung meines Romans – dazu entschlossen, einen eigenen Verlag zu gründen und mein Büchlein selbst zu veröffentlichen. Mein Roman wurde also nicht nur in einer – wie ich finde – hübschen gebundenen Ausgabe veröffentlicht, sondern stieg sogar zum bislang alleinigen Programm des Verlages auf.
An Neuem wird gearbeitet. Die ersten 440 Seiten sind bereits geschrieben … diesmal auf Englisch.